Und so ging es weiter in unserem fabelhaften Roman:
Kapitel 2
"Die Katze ist manchmal so doof" ,murmelte Pflanze vor sich hin, "man sollte das Vieh wirklich an einem Baum aufknüpfen".
Katze hatte wieder einmal bei einem seiner Streifzüge durch die Wohnung mit seinem scheinbar unkontrollierbar durch die Gegend wedelnden Schwanz eine von Pflanzes Fallen berührt. Wie das aber leider bei solch überzüchteten Venus-Fliegen-Fallen der hiesigen Region nun mal so ist, schließt sich die Falle nicht nur einfach in der Erwartung auf ein leckerers Essen in Form eines Insekts - nein, sie beginnt auch noch langsam schwarz zu werden und schon nach wenigen Tagen abzusterben.
"Prima wieder eine weniger", dachte sich Pflanze und ging auf die Suche nach dem Übeltäter. Katze war schneller gefunden als erwartet, denn plötzlich stand sie neben Pflanze und rief enthusiastisch "Was ist das schön - Du hast ja eine Fliege gefangen!!".
Pflanze wußte gar nicht was sie sagen sollte bei soviel Unverfrorenheit. Doch bei genauerem Hinsehen schien Katze nicht im geringsten von Schadenfreude erfüllt zu sein, sondern wurde eher melancholisch. Hinzu kam ja auch noch, daß sich manchmal, wenn Pflanze im Stress war, die ein oder andere Falle rote Punkte bekam oder von selbst abstarb - aber das mußte Katze ja jetzt nicht erfahren.
"Weißt Du noch wie es war, als Du die erste Fliege gefangen hast - ich kann mich noch gut erinnern, als ich ein kleines Kätzchen war und ein wenig Schwierigkeiten hatte,..." begann Katze einen sehr langen Monolog, der sehr emotionsgeladen war und an die tiefsten Gefühle eines Jäger und Sammlers appelierte. Auch Pflanze erinnerte sich an seine erste Fliege, die ihm eine abgestorbene Falle einbrachte. Dennoch war dies eines der Gespräche, die einem Tränen in die Augen treibt. Was sich Pflanze aber aus zweierlei Gründen nicht erlauben konnte. Einerseits wollte sie natürlich nicht als ein Lulli vor Katze dastehen und andererseits wäre ein Tränchen gar nicht möglich gewesen, da man schon seit Tagen vergessen hatte, sie zu gießen....
Mittlerweile war Katze bei einem ganz anderem Thema angekommen: "Weißt Du das ist gar nicht so schlimm mit Deiner Falle - mir sind schon ganz andere Dinge passiert. Einmal bin ich nämlich im Winter auf meinem Hintern die mit Schnee bedeckten Hügel runtergerutscht - tagelang. Aber ich hatte nicht gewußt, daß auch ich sonnenempfindlich bin und so bekam ich unter meinen Fell einen solchen Sonnenbrand, daß sich meine Haut verkrustete und ich aussah wie ein Monster". Katze machte, um die Geschichte zu untermauern, eine Geste, indem sie beide Vorderpfoten in die Luft streckte und ein Geräusch machte, das etwa so klang "Wrooaah- wraaaooh".
"Schließlich bin ich dann die nächsten Tage ganz alleine im Wald spazieren gegangen, mein Gesicht tief zu Boden gesenkt und weit weg von den anderen Katzen, die sich schön mit Sonnencreme eingerieben hatten."
"Eigentlich eine traurige Geschichte", dachte Pflanze - hatte aber trotzdem Schwierigkeiten ein Grinsen zu unterdrücken, bei dem Gedanken an die filmreife Szene.
"Weißt Du was, laß uns hier nicht so Trübsal blasen", sagte Pflanze, " wir könnten doch stattdessen ..."
"Jaaaah. Laß uns in den Garten gehen- jaaaah", rief Katze und die beiden liefen sofort los.
In den Garten gehen - das hieß meistens, sich nahe an den Grill legen und zu schauen, daß was abfällt, wenn die Menschen Fleisch grillen. So eine Art Fast Food, weil Katze und Pflanze nichts tun mußten, als dazu sitzen, Kalorien in sich hineinzuschlagen und stundenlang über dies und das zu reden. Da wurde dann diskutiert über gelungene oder gescheiterte Beziehungen, entweder von Katze und Pflanze selbst, oder auch von ihren meist gemeinsamen Bekannten. Es wurden Pläne geschmiedet, in welche Länder man als nächstes fährt oder was man macht, wenn man im Lotto gewinnen würde.
"Jetzt mal im Ernst", sagte Katze, "Ich habe mir einen Plan gemacht und mir vorgenommen in Zukunft regelmäßig...."
Pflanze kicherte bereits bei diesen Worten, da solche Pläne meist nur Tage halten und dann mit dem ganzen Enthusisasmus sang- und klanglos untergehen. Aber schließlich machte es ja am meisten Spaß, den Plan aufzustellen.
" - jaja, hör auf zu lachen", fuhr Katze weiter fort, " ich habe mir nämlich einen Laufplan gemacht und will im Herbst einen Katzenmarathon mitlaufen. Ist mein voller Ernst. In der neuen Cat`s Health war nämlich ein Laufplan drin, wie man in 40 Tagen zum Marathon bereit ist. Da fällt mir ein - kauf Dir die Zeitung nicht, kannst sie ja von mir haben. Dann gebe ich Dir auch gleich die Pflanzen Vogue zurück - war wieder nichts für mich drin."
"In der Cat`s Health steht doch jeden Monat das gleiche drin und daß Du den Marathon läufst, glaube ich eh nicht", sagte Pflanze. "Wette um ne Kiste?!", fügte sie hinzu. "Gemacht", war von Katze zu hören und so wollte sie einstimmend sozusagen Pfote auf Falle einschlagen, bremste aber zum Glück kurz zuvor ab, um der stressgebeutelten Pflanze eine weitere abgestorbene Falle zu ersparen.
Geschrieben von pflanze im Sommer 2001.