„Das macht zweiundzwanzig Euro zwanzig.
Zweiundzwanzig zwanzig!
Entschuldigung, das macht zweiundzwanzig Euro zwanzig!
Hören Sie?“
Erst jetzt realisierte Simon, dass er selbst gemeint war. Er rief sich in Erinnerung, dass er vor geraumer Zeit, vielleicht vor zwanzig Minuten, nach der Rechung verlangt hatte. Oder waren es nur zehn Minuten? Oder fünf?
„Äh, das ging aber schnell“ stammelte er immer noch geistesabwesend in sich hinein und wandte seinen Blick von den Dokumenten ab, die er seit gut 24 Stunden nicht aus der Hand gegeben hatte. Dokumente, die er immer und immer wieder durchgelesen hatte. Hundertfach! Dokumente, die sein Leben verändern könnten! Würden! Vielleicht sogar das Leben aller! Das Leben an sich? Und jetzt… jetzt ließ ihn dieser Schlowinsly sitzen!
Gert Schlowinsky, so hat er sich am Telefon vorgestellt, Angestellter im BMWi und angeblich ein hohes Tier dort. Er sei in höchster Lebensgefahr, hatte er gesagt. Deshalb wollte er auspacken! Wollte! Die Betonung lag auf WOLLTE! Simon hatte es ja anfänglich für einen schlechten Scherz gehalten, aber seit dem Zeitpunkt, als die Dokumente in der Redaktion angekommen und in seine Hände gelangt waren, wusste er es besser. Seine Meinung hatte sich schlagartig geändert. Er war schockiert. Die Dokumente bewiesen noch gar nichts! Zu viele Textpassagen waren geschwärzt. Zu viele Namen unkenntlich gemacht. Doch Schlowinsky hatte die Originale. Und noch viel mehr, wie er sagte.
„Zweiundzwanzig Euro zwanzig! Hören Sie nicht? Soll ich gleich noch mal wieder kommen?“
Simon schreckte wieder hoch und lächelte die wirklich nett anzuschauende Servicekraft an. Diese blickte nur gehetzt zurück und schüttelte ihre große Geldbörse zweimal.
„Nein, nein!“, Simon beschloss nun sich zu beeilen und kramte hektisch im Portemonnaie. „Zwanzig Euro, zweiundzwanzig, zweiundzwanzig zehn, fünfzehn, siebzehn, neunzehn, zwanzig.“ So wollte er wohl deutlich machen, dass die Dame in Kürze an ihr Geld kommen würde.
Und überhaupt! Zweiundzwanzig Euro zwanzig für ein paar große Milchkaffees und etwas Drumherum! Seit der Euroeinführung schienen sich seine Ausgaben verdoppelt, wenn nicht verdreifacht zu haben. Und wer war schuld? Dieser Schlowinsky! Für um zwei waren sie verabredet, jetzt war schon halb fünf. Ein schlechter Scherz!
Er reichte die handvoll Münzen weiter und erntete sogleich ein eindeutig ironisches „danke schön für das Trinkgeld“. Simon lief rot an. „Na toll! Was für ein Dreckstag!“ er nahm seinen schwarzen Wollmantel, schlug den Kragen hoch und verließ das Cafe. Der Herbstwind empfing ihn mit einem unfreundlichen Stoss. Er stellte sich in den Schutz der Backsteinwand des angrenzenden Wohnhauses und überlegte kurz, wohin ihn sein Tag noch führen sollte. Sein Mobiltelefon klingelte.
„Ja, hier Simon Klausen?“
„Grüß Gott Herr Klausen. Mein Name Xaver Schweinsteifer von der Münchener Kriminalpolizei.“
Simon horchte verdutzt.
„Herr Klausen, ich halte hier gerade ein Handy in der Hand, dessen Nummer Sie in den vergangenen Stunden sechzehn Mal angerufen haben! Können Sie mir das erklären?“.
„Welches Handy? Welche Nummer?“ Simon schaute auf sein Display. Es war die Nummer von Schlowinsky.
„Ja, Herr Schlowinsky und ich waren verabredet. Ist irgendwas passiert?“
„Können Sie aufs Kommissariat kommen? Ich muss etwas mit Ihnen besprechen!“
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Extrablatt
Donnerstag, Februar 12, 2009
Kapitel 12: "Quantenbombe"
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Montag, Oktober 13, 2008
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Also ich muss sagen, du hast mich völlig überascht und mir ein gutes Stück Literaturkunst zugeworfen! Mal sehen, was ich daraus machen werde :-)
AntwortenLöschenDanke für die Blumen :-)
AntwortenLöschenDas Interessante ist, dass ich natürlich selbst gespannt bin wie es weiter geht! Und Ihr habt es jetzt nicht unbedingt leichter...
Gefällt mir auch super. Mir fällt allerdings auch jetzt erst auf, dass man in der Kürze der Geschichte doch nur recht wenig Richtung verleihen kann. So stehen uns noch alle Türen offen und so wird sich eine klare Linie erst nach einiger Zeit für uns alle ergeben. Das wird ein echt interessantes Projekt !!
AntwortenLöschenInteressant ist vor allem, dass Du keinerlei zeitlichen Bezug herstellst. Paule oder ich könnten ungewollt Deinen kompletten Plan kaputtmachen, indem wir unser Kapitel eindeutig vor oder nach dem "Ereignis" platzieren, denn darüber hatten wir niemals gesprochen. Und das sollten wir auch jetzt nicht mehr. Das Festlegen von Einzelheiten wird so erst nach und nach geschehen...
AntwortenLöschenIch hatte/habe keinen "kompletten Plan", sondern nur eine wage Ahnung. Aber sicher wird die Geschichte in eine komplett andere Richtung laufen. Ich hatte jetzt auch versucht, nicht zu viel zu verbauen. So hieß der letzte in meinem ersten Entwurf: "Herr Schlowinsky ist tot". Im zweiten Entwurf: "Herr Schlowinsky hatte einen, äh sagen wir mal Unfall. Er liegt im Koma." Und endgültig ist das daraus geworden, was man oben lesen kann...
AntwortenLöschenVielleicht mache ich Herrn Schlowinsky noch zu meiner lebendem Hauptperson... ;-) Dann würde das Gespräch auf dem Polizeirevier anders verlaufen.
AntwortenLöschenKlar! Vielleicht ist ja Schlowinsky verhaftet worden. Oder hat Simon angezeigt! Vielleicht lasst Ihr aber einen neuen Handlungsstrag laufen... wer weiß?
AntwortenLöschenMein Kapitel ist nur kurz - nämlich etwas mehr als ne halbe Seite, aber dafür schon fertig. Wenn Paule endlich mal aus den Hufen kommen würde.... ;-)))
AntwortenLöschen....würde Deine Zeit schon wieder ticken.
Oh, ich bin ein wenig spät zum ersten Kapitel gekommen. Schöner Beginn mit gutem Cliffhanger! Du weisst beim Schreiben echt noch nicht wohin die Reise gehen wird?
AntwortenLöschenBis bald dann aufm Revier ;)
Nein. Ich weiß zwar, wohin die Reise gehen würde, wenn (nur) ich Einfluß darauf hätte. Aber wir schreiben ja mir mehreren Autoren und hoffen auf gegenseitiges Fingerspitzengefühl.
AntwortenLöschenNaja, offiziell heisst es, dass wir auf gegenseitiges Fingerspitzengefühl hoffen. In Wahrheit warten wir aber nur darauf, dass einer von uns die Nerven verliert. Ist wie bei Formel 1, wo man insgeheim auf einen spektakulären Unfall hofft.
AntwortenLöschenAber nach 3 Kapiteln- also von jedem 1 Kapitel, kann man wahrscheinlich schon erahnen, wo der Hase mal hinlaufen könnte. Paule hat ja nur noch heute und morgen bis zur Abgabe - dann wissen wir schon etwas mehr. Vor allem auch ob mein bereits geschriebenes Kapitel (wenn auch sehr kurz) überhaupt noch passt...